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Mediensucht
Aktuelle Studie vorgestellt

2018 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Computerspielsucht als Krankheit anerkannt. Ärzt*innen können seitdem die Diagnose Computerspielsucht stellen und z. B. eine Therapie verschreiben, die von der Krankenkasse bezahlt wird. Computerspielsucht ist eine Verhaltenssucht. Das heißt, sie ist „nicht stoffgebunden“, wie das z. B. bei Raucher*innen und Nikotinsucht ist.

Andere Formen der Mediensucht sind zwar nicht als Krankheit anerkannt, die Symptome sind aber vergleichbar. Man kann also auch nach der Nutzung von Social Media-Diensten wie Instagram, TikTok und WhatsApp süchtig werden.

Es geht also um die Gesundheit und deshalb ist das Thema auch sehr wichtig für die Krankenkassen. Denn die bezahlen am Ende die Rechnungen für Arztbesuche, Therapie und Medikamente.

Die DAK-Gesundheit ist eine gesetzliche Krankenkasse. Die Abkürzung DAK steht für „Deutsche Angestellten-Krankenkasse“. Sie hat gemeinsam mit dem DZSKJ, das ist das Deutsche Zentrum für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), eine Studie zur Social-Media-Abhängigkeit bei 12- bis 17-Jährigen durchgeführt. Die Ergebnisses wurden am 29. Juli 2020 vorgestellt: „So süchtig machen WhatsApp, Instagram und Co.“

Welche Ergebnisse brachte die Studie?

„100.000 Kinder und Jugendliche abhängig von Social Media“ – so fasst eine Überschrift das Ergebnis zusammen. Das sind 2,6 % der 12-17-Jährigen. Wenn wir das auf eine Gruppe mit 40 Schülerinnen und Schülern übertragen heißt das, dass 1 Person davon süchtig ist. Das heißt aber auch, dass 39 Gruppenmitglieder nicht süchtig sind. Das ist erfreulich, da ernste gesundheitliche Probleme durch die intensive Nutzung von Social Media auftreten können, z.B. Depressionen und Schlafstörungen. Dazu kommen soziale Probleme wie Realitätsflucht und Streit mit den Eltern.

Symptome: Wie erkenne ich eine Internetsucht

Im Rahmen der DAK-Studie gibt es dazu diese Auflistung:

Es gibt verschiedene Anzeichen, die auf einen übermäßigen und auch auf einen krankhaften Internetgebrauch hindeuten. Diese Symptome treten besonders häufig auf:

  • Die Internetnutzung (Zeitumfang, Beginn, Ende) kann nicht mehr kontrolliert werden.
  • Freundschaften und andere Hobbies werden vernachlässigt oder aufgegeben.
  • Trotz negativer Folgen wie Konflikte mit Partnern, Problemen am Arbeitsplatz, Schlafmangel etc. wird an der übermäßigen Internetnutzung festgehalten.
  • Auch offline drehen sich die Gedanken unablässig um Online-Aktivitäten.
  • Starkes Bedürfnis, immer mehr und mehr Zeit im Internet zu verbringen.
  • Entzugserscheinungen wie innere Unruhe, Gereiztheit und Aggressivität bei Offline-Aktivitäten.
  • Internetaktivität wird genutzt, um negativen Stimmungslagen zu entfliehen.
  • Familienmitglieder oder andere Personen werden hinsichtlich des tatsächlichen Ausmaßes der Internetnutzung belogen.

Wenn mehrere Symptome über mindestens 12 Monate auftreten, spricht man von einer „internetbezogenen Störung“. Eine Phase, in der man mal mehr online ist, kann immer mal vorkommen. Was man aber nicht vergessen darf: Der Übergang von einer normalen Nutzung zu einer intensiven Nutzung und von der intensiven Nutzung zur Mediensucht ist fließend. Es ist also eine gute Idee, die eigene Mediennutzung zu beobachten.

Was hilft?

Wenn man merkt, dass es zu viel wird, kann man selbst etwas dagegen unternehmen. Medientagebücher, Apps, mit denen ich die mit Social Media verbrachte Zeit messen kann und die Einhaltung von festen Zeiten ohne Smartphone können dabei helfen. Wenn man das aus eigener Kraft nicht schafft, kann man sich Hilfe bei Beratungsstellen und sogenannten Suchtambulanzen holen.

Wo kann ich mich weiter informieren?